Junge Frau. welche mit einem freundlichen Lächeln einen Windbeutel mit grüner Cremefüllung offeriert.

Der grüne Windbeutel

Inhaltsverzeichnis

Endlich ist die Zeit, der Verzicht geprägten, kalorienreduzierten und zeitlich beschränkten Diät vorbei! Dank der Zweckentfremdung eines neuartigen Typ-2 Diabetes Medikaments ist die Zeit der saisonalen Massenhysterie vorbei: Niemand muss mehr Saft- und Suppenkuren durchleiden, Trennkost mümmeln, eine Ein-Brötchen-am-Tag Kur durchziehen, sich ausschließlich von Proteinen ernähren, um zehn Kilo abzunehmen. Auch den Trend sich einen Monat zuckerfrei zu ernähren – um abzunehmen – kann man getrost vergessen.

Die Diät wird wieder zu dem, was es ursprünglich einmal war: eine Lebensweise oder Lebensführung. Die alten Griechen, beschrieben mit díaita keine kurzfristige Maßnahme, sondern wollte durch eine bestimmte Lebens- und Ernährungsweise Krankheitserscheinungen abwenden oder minimieren.

Diät als zeitlich begrenzte, kalorienreduzierte Ernährungsweise stammt aus einer Epoche, als eine gewisse Gesellschaftsschicht, nicht mehr körperlich arbeiten mussten und kalorienreiche Nahrungsmittel im Überfluss zu Verfügung hatten. Heute würde man sagen, industriell hochprozessierter Nahrung und der ganzjährigen Verfügbarkeit einer Vielzahl von Produkten in einer schier endlosen Auswahl, ist die Wurzel allen Übels. Bewegungsmangel, fehlende Selbstdisziplin, geringes Wissen über Lebensmittel und das Vertrauen, das industriell gefertigte Nahrungsmittel keine schädlichen Nebeneffekte haben, tragen dazu bei, dass Menschen kurzfristige Diäten durchexerzieren.

Die supermoderne Diät

Für Wissenschaftler ist eine Diät optimal, wenn sie die körperliche und psychische Gesundheit ebenso wie das Wohlbefinden positiv unterstützt. Eine nachhaltige Diät, ist eine Ernährungsweise die nicht nur die menschliche Gesundheit unterstützt, sondern auch die Umwelt schützen will. Die WHO geht sogar noch einen Schritt weiter und definiert Diät als eine nachhaltige Ernährungsweise, welche die menschliche Gesundheit, die Umwelt und die kulturelle Akzeptanz berücksichtigt.

Tatsächlich hat jede Nation eine eigene Vorstellung von einer nachhaltigen und gesunden Ernährung. Einige wollen neben gesunden Lebensmitteln die Treibhausgase reduzieren, den Wasserverbrauch minimieren, die chemischen Verschmutzungen verringern, die Biodiversität schützen und den Anteil der Plastikverpackungen bei Lebensmitteln beschränken. Andere Nation picken sich nur das heraus, was gerade von ihren Lobbyisten als erträglich angesehen wird oder unterschreiben die Absichtserklärungen nicht.

Davon abgesehen, werden jedes Jahr neue Ernährungsweisen der breiten Öffentlichkeit, vorzugsweise im Frühjahr, angeboten: Wissenschaftlich fundiert oder auch nicht.

Die Top 6

Ernährungswissenschaftler unterscheiden heutzutage zwischen sechs unterschiedlichen Ernährungsarten.

Wer es sich heutzutage leisten kann und will, ernährt sich omnivor: Fleisch, Fleischprodukte, Eier, Milchprodukte, Geflügel, Fisch, Gemüse und Früchte. Diese Produkte können aus konventionellen aber auch aus nachhaltigen Erzeugerbetrieben stammen. Unabhängig von der Produktionsart wirken sich die tierischen Fette negativ auf das Darmmikrobiom aus. Die Folgen eines übermäßigen Fleischkonsums sind Fettleibigkeit, Entzündungen und Herz- und Nierenerkrankungen. Dazu kommt das der ökologische Fußabdruck, bei der Mischkost-Ernährung nicht unerheblich ist und Tierleid in Kauf genommen wird. Somit stellt die omnivore Diät momentan, laut der Ernährungswissenschaft, die unterste Stufe bei den unterschiedlichen Ernährungsformen dar.

Die nächste Stufe sind die Vegetarier. Dies sind Menschen, welche hauptsächlich einer pflanzenbasierten Lebensweise folgen. Früchte, Gemüse, Nüsse und Samen werden durch spezielle Nahrungseinschränkungen ergänzt. Die einen ergänzen ihr Lebensmittel-Portofolie mit Fisch (Pesco-Vegetarier), die anderen mit Ei (Ovo-Vegetarier) oder nehmen noch Milch- und Milchprodukte zu sich (Lacto-Vegetarier). Manche einer erlaubt sich gar, Eier und Milchprodukte zu seiner pflanzlichen Ernährungsweise zu ergänzen, und zählt damit zu den Lacto-Ovo-Vegetarieren.

Ernährungsstudien haben gezeigt, dass Vegetarier seltener an Nierenerkrankungen leiden, weniger Infektionen bekommen, Diabetes Typ 2 keine Rolle spielt und wenige von ihnen an koronaren Herzerkrankungen erkranken. Dank der vielen pflanzlichen Ballaststoffe ist ihre Darmflora ein Paradies für „gute“ Bakterien und die Bakteriengemeinschaft im Darm ist vielfältig, was dem Immunsystem bei seiner Arbeit hilft.

Die höchste Stufe der nachhaltigen und gesunden Ernährung, wird von er veganen Diät eingenommen. Sie ist auf dem Papier, die einfachste Diät der Welt, denn ihr Credo ist einfach: Keine tierischen Produkte kommen auf den Teller. Um sich allerdings möglichst ausgewogen zu ernähren, braucht man einen Master in Ernährungswissenschaft und einen gut gefüllten Geldbeutel. Klinische Kleinstudien aus dem Jahr 2023 haben gezeigt, dass die vegane, fettarme Rohkosternährung in Sachen Gesundheitseffekten nicht zu toppen ist. Allerdings gibt es eine kleine Einschränkung, welche die Wissenschaftler nicht verschweigen wollen: Durch die mangelnde Erhitzung der Pflanzen, werden Bakterien und bakteriellen Toxine nicht zerstört. Es kann also gut sein, dass man sich gesund ernährt aber trotzdem, das Badezimmer auf unbestimmt Zeit nicht verlassen kann.

Der große Nachteil bei jahrelanger veganer Ernährung ist, dass Veganern gewisse Mikronährstoffe, Vitamin B12, Eisen, Zink und Kalzium fehlen. Aber das ist heutzutage durch Supplementierungen alles behebbar.

Der große Vorteil der veganen Ernährungsweise ist, dass sie weniger Treibhausgase produziert, geringer Mengen an Wasser und Energie verbraucht werden und die Biodiversität wird erhalten. Sie ist laut der aktuellen Datenlage aus der Ernährungs-, Agrar- und Umweltforschung nachhaltig, gesünder und sorgt für körperliches und geistiges Wohlbefinden. Dies gilt sicherlich – wenn man über entsprechende Mittel und Wissen verfügt!

Alles einer Frage der Verfügbarkeit

Vor der Industrialisierung waren viele Menschen zwangsweise Vegetarier oder zeitweise Veganer. Mangelernährung prägte das Leben und nicht der freiwillige Verzicht aus Umwelt- und Tierschutzgründen. In dieser Zeit war Fleisch und Fisch einfach zu teuer oder eben nicht verfügbar. Gemüse und Früchte gab es nur zu bestimmten Erntezeitpunkten, wenn Wind und Wetter mitgespielt haben. Lagerhaltung, Maßhalten und echter Verzicht waren ausschlaggebend, ob man den Winter überlebte oder nicht.

Doch all dies spielt heute keine Rolle mehr, denn dank optimierter Agrarproduktionen, weltweiter Vernetzung der Lieferketten, ausgeklügelter Lagerhaltung und Haltbarmachung von Lebensmitteln haben wir eine Vielzahl an essbare Pflanzen – rund um die Uhr – in unseren Supermärkten zur Verfügung. Wer sich nicht mit Nährstofftabellen und Supplementierung rumschlagen will, dem hilft die Nahrungsmittelindustrie mit hochprozessierten Lebensmitteln: vegetarisch sowie vegan. Nicht billig, vielleicht auch nicht sonderlich gesund aber moralisch vollkommen im Trend der Zeit.

Der Haken

Eine pflanzenbasierte Diät hat viele Vorteil für den Menschen: ein fitteres Immunsystem, ein vielfältigeres Darmmikrobiom, eine höhere Knochendichte, weniger Diabetes Typ 2- und Herzkreislauf-Erkrankungen. Auch zeigte eine elfjährige Studie, dass Menschen mit einer vornehmlich pflanzenbasierten Diät seltener an Darm-, Prostata- und Brustkrebs erkrankten als Fleischessern. Der ökologische Fußabdruck von Vegetariern und Veganern ist bis zu 2,8-mal kleiner als der von Menschen, die Fleisch und Fleischprodukte essen.

Eigentlich alles Gründe um sofort, die Fleischwurst und den Sonntagsbraten vom Speiseplan zu streichen. Aber so einfach ist die Sache nicht.

Denn die moderne industrielle Agrarproduktion für Pflanzen ist nicht nachhaltig, gesund und schon gar nicht umweltschonend. Die Menge an Pflanzen zu produzieren, nach denen der Verbraucher das ganze Jahr über verlangt, ist sehr komplex, bodenintensiv, teuer und wissensaufwendig.

Wer schon mal probiert hat, in seinem Schrebergarten Tomaten anzubauen, kennt das Leid: kurz vor der Ernte erkrankten die sorgsam, selbst gezogene Tomatenpflanzen an Braun- oder Blütenendfäule. Obwohl man biologisch gedüngt, gemulcht, gegossen und mit den Pflanzen geredet hat. Wenn alles optimal verläuft, reicht die Ernte des Schrebergartens, vielleicht 3-4 Monate, sofern Lagerkapazitäten vorhanden sind.

Die meisten Menschen können sich jedoch das Luxushobby: Schrebergarten und Selbstversorger, nicht leisten. Weder haben sie ein Grundstück, das groß genug wäre, die Zeit, Geduld, die Arbeitskraft oder Lagerkapazität, noch den Willen sich landwirtschaftliches Wissen anzueignen. Und selbst dann, ist entweder das Wetter ein Unwägbarkeitsfaktor, befallen Kulturschädlinge die Pflanzen oder Pilzkrankheiten raffen sie dahin. Weizen oder andere Getreidearten baut auch kein Hobbygärtner an, sondern, die werden beim Bauern gekauft. Manche Getreidearten, Hülsenfrüchte, Reis und Mais brauchen mehr Fürsorge und andere weniger, doch alle werden als Monokultur angebaut.

Mag der Nebenerwerbslandwirt, noch so sorgsam mit der Natur umgehen, so braucht auch er, ein bisschen Hilfe. Er unterscheidet sich nur in der Menge, der Art und dem Maßstab von den industriellen Agrarproduzent. Dokumentieren müssen beide: wie viel Dünger, Pestizide, Fungizide, Insektizide, Molluskizid und Nematozide eingesetzt wurde. Biodiversität ist an diesem Punkt eher nicht gewollt.

Doch glücklicherweise ist in der Europäischen Union der Einsatz dieser Mittel streng reguliert und muss protokolliert werden. Die Grenzwerte sind je nach Anbauform unterschiedlich, für konventionelle Landwirtschaft gelten andere Werte als für Bio- oder für Demeter- zertifizierten Anbau. Doch viele Lebensmittel auch „Bio“ kommen gar nicht aus der Europäischen Union und unterliegen anderen Regularien. Aber Lebensmittel sind doch sicher, und werden immer getestet, werden nun einige Leser einwenden. Ja, stimmt, aber alle Lebensmittel, welche importiert werden, können gar nicht getestet werden. Tests sind Zeit- und personalaufwendig. Pflanzen verderben schnell und schwarze Schafe gibt es immer. Und die eingesetzten Dünger, Pestizide und Fungizide bergen so manche Überraschung.

Die Vorstellung das eine rein pflanzenbasierte Ernährungsweise nachhaltig ist, die Biodiversität fördert und die Welt zu einer bessern macht, lässt sich nur schwer mit der weltweiten industriellen Agrarproduktion, in Einklang bringen. Auch der Anspruch das eine pflanzenbasierte Ernährung die Menge an Plastikverpackungen reduziert, ist mit Blick in den heimischen, den spanischen oder auch amerikanischen Supermarkt nicht erkennbar.

Schlussendlich sind sich Ernährungswissenschaftler und Mediziner einig, dass eine vornehmlich pflanzenbasierte Diät einer hauptsächlich fleischbasierende Ernährungsstrategie vorzuziehen ist. Und je weniger die Nahrung, durch die Industrie verändert oder aufgepeppt wurde, umso wertvoller für den menschlichen Stoffwechsel ist sie.

Fazit:

Vegetarier und Veganer erkrankten aufgrund der vielen Ballaststoffe, Mineralien, Vitaminen, dem geringeren Anteil an schlechten Fetten und Zucker an sogenannten Zivilisationskrankheiten. Diabetes Typ 2 ist selten, die Wahrscheinlichkeit an einer koronaren Herzerkrankung ist ebenso geringer wie an Darm-, Prostata- und Brustkrebs zu erkranken. Eine pflanzenbasierte Diät fördert körperliche und geistige Gesundheit, sie wirkt sich positiv auf das Wohlbefinden aus.

Doch ebenso wie die fleischkonsumierende Bevölkerung sind sie von der industriellen Agrarproduktion abhängig. Die in großem Maßstab produzierten Pflanzen stammen aus Monokulturen, welche vor Insekten, Schnecken, Nagern, Nematoden und Pilzen geschützt werden müssen. Auch für den Transport und Lagerung werden Maßnahmen ergriffen, die weder nachhaltig noch der Gesundheit förderlich sind.

Ankerpunkte:

Eine pflanzenbasierte Ernährung, ist laut dem heutigen Wissenstand der Ernährungswissenschaft einer omnivoren Diät vorzuziehen. Allerdings ist eine gesunde Diät, welche auch das Wohlbefinden positiv beeinflusst, nachhaltig ist, die Biodiversität fördert und hilft, die Plastik-Umverpackung zu reduzieren, nur wenigen Menschen in der Wohlstandsgesellschaft gegeben.

Quellen:
  • Balancing Health and Sustainability: Assessing the Benefits of Plant-Based Diets and the Risk of Pesticide Residues Botnaru, A.A.; Lupu, A.; Morariu, P.C.; Pop, O.L.; Nedelcu, A.H.; Morariu, B.A.; Cioancă, O.; Di Gioia, M.L.; Lupu, V.V.; Avasilcai, L.; et al.; Nutrients 2025, 17, 727. doi.org/10.3390/nu17040727
  • The effects of a raw vegetarian diet from a clinical perspective; review of the available evidence; Pahlavani, Naseh et al.;Clinical Nutrition Open Science, Volume 49, 107 – 112; doi.org/10.1016/j.nutos.2023.04.001
  • Scherrer, V. (2006). Die Geschichte der Diäten. In: Aspalter, R., Schitter, E. (eds) KiloCoach™. Springer, Vienna. doi.org/10.1007/3-211-38038-8_30
  • Demeter Verbandsliste www.inputs.eu/fileadmin/bml-eu/documents/BML_Demeter_Verbandsliste_2020.pdf
  • Durchführungsverordnung (EU) 2025/854 Pestizidrückstände in und auf Lebensmitteln www.eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/PDF/?uri=OJ:L_20250085

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